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An den Füßen von Landwirten

Bérénice de Gouville ist Landwirtin der dritten Generation im Département Landes, das im Südwesten Frankreichs liegt. Sie tritt in die Fußstapfen ihres Vaters, Eric de Gouville, mit dem wir über seine Erfahrung in der Landwirtschaft gesprochen haben. Sie können das Interview hier lesen. Seit ihrem Einstieg in den Familienbetrieb vor zwei Jahren konzentriert sich Bérénice auf die ökologische Pflanzenproduktion. Sie erläutert uns, was wir beim Kauf von Bio-Produkten bedenken müssen.

Was bedeutet ein ökologischer Anbau für Sie?

Für mich bedeutet der ökologische Anbau, das Land aus einer anderen Perspektive zu betrachten, nämlich aus einer, die den Boden schützt und derart nutzt, dass auch die künftigen Generationen noch etwas davon haben. Ich bin sowohl mit dem ökologischen als auch dem konventionellen Anbau vertraut und interessiere mich daher sehr für den Unterschied dieser beiden Anbauweisen. Mir wurde außerdem klar, dass wir die ökologische Anbaumethode noch längst nicht beherrschen. Wir haben nicht alle Antworten auf die Fragen, aber ich bemühe mich, sie zu finden.

Französische Verbraucher vertrauen auf Bio-Produkte, stellen jedoch nicht die richtigen Fragen, wenn sie Bio-Produkten kaufen. Ich würde beispielsweise Folgendes wissen wollen:

  • Woher kommt das Bio-Produkt?
  • Weiß ich, was die Bio-Siegel auf dem Etikett bedeuten?
  • Entspricht die Anbaumethode meiner Einstellung?
  • Was ist mir wichtiger: Bio oder regional produziert?
  • Kenne ich den Unterschied zwischen dem ökologischen und dem konventionellen Anbau?
  • Haben die Medien meine Entscheidung beeinflusst oder habe ich die Informationen aus erster Hand, also von Bauern oder Nutzgartenbetreibern?

Ein Großteil der Produkte in französischen Supermärkten stammt von Landwirten in Frankreich, viele Produkte kommen aber auch aus anderen europäischen Ländern. Die Spezifikationen für den ökologischen Anbau hängen von den Vorschriften des jeweiligen Landes ab.

Die EU gibt zwar einen Rahmen vor, aber jedes Land bestimmt seine eigenen Gesetze.

On the feet of our farmers

Inwiefern unterscheidet sich der Alltag eines ökologischen bzw. konventionellen Landwirts?

Die ökologische Landwirtschaft erfordert Organisation und eine Beobachtungsgabe. Das Risiko eines Ernteverlusts ist ebenfalls viel höher, da wir keine herkömmlichen Düngemittel verwenden. Die ökologische Pflanzenproduktion ist im Vergleich zum konventionellen Anbau weitaus arbeitsintensiver. Sie müssen von Hand jäten und Insektizide oder Herbizide sind auch tabu.

Das Wachstum der Pflanzen dauert länger, was diese Anbaumethode teurer macht.

Was hat Sie dazu bewegt, Bohnen auf ökologische Weise anzubauen?

Mein Vater und ich suchen stets neue Herausforderungen. Kurz bevor ich in den Betrieb einstieg, hat er zum ersten Mal Bio-Bohnen angebaut. Das war komplettes Neuland für uns. Auf einem sehr kleinen Feldabschnitt, der gerade mal einen Hektar groß war, haben wir Bohnen von Hand geerntet, sortiert und innerhalb von 24 Stunden an den Supermarkt verschickt.

Es war eine Herausforderung, die mir Spaß machte und mich dazu inspirierte, mich stärker auf diese Anbaumethode zu konzentrieren. Denn ich möchte sie weiterentwickeln, Erfahrungen sammeln und Unabhängigkeit im Betrieb erlangen. Frisches, biologisch angebautes Gemüse von guter Qualität zu erzeugen und gleichzeitig den Boden zu bewahren, hat mich zu diesem Abenteuer motiviert!

On the feet of our farmers

Was sind die Vor- und Nachteile des ökologischen Anbaus?

Vorteile:

  • Ich kann meinen Wissenshorizont erweitern und erlange ein echtes Verständnis für die ökologische Pflanzenproduktion.
  • Vom Samen bis zum Gemüse, macht es einfach großen Spaß, ein gesundes französisches Produkt anzubauen und zu kultivieren.

Nachteile:

  • Diese Anbaumethode ist sehr kostspielig (teure Produkte, aufwendige Arbeit, doppelt so lange Arbeitszeiten). Es ist nicht leicht, die Kosten im Griff zu behalten.
  • Es gibt keinen Plan B, wenn etwas schiefgeht (zum Beispiel im Falle eines unkontrollierten Graswachstums oder bei einem Krankheits- oder Insektenbefall. Konventionelle Bauern können auf Pestizide zurückgreifen. Wir haben diese Option nicht.

Wie sieht die Zukunft Ihres Betriebs aus?

In den kommenden Jahren möchte ich weitere Bio-Pflanzen wie Kartoffeln, Blaubeeren und Erdbeeren anbauen. Ich möchte andere darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, Lebensmittel aus der Region zu konsumieren und nicht unbedingt auf „Bio“ zu bestehen. Denn das Gemüse aus unserem nicht-ökologischen Anbau weist nach der Analyse keine Spuren von Pestiziden auf.

Langfristig möchte ich den Betrieb ausbauen und zum Beispiel Obstbäume anpflanzen, Haushühner für Eier sowie ein paar Kühe für die Fleischproduktion halten. Das würde mir den Weg in die Unabhängigkeit ermöglichen, weil ich so Dünger selbst herstellen und verwenden sowie Nutzpflanzen als Futter für mein Vieh anbauen könnte. Mein Produktionszyklus würde sich so schließen.

Welche Rolle spielen Stiefel in Ihrem Alltag?

Die Stiefel sind enorm wichtig. Schließlich verbringen wir den ganzen Tag auf unseren Beinen. Ich trage Stiefel mit Lederfutter, das meine Füße schön warmhält und sich perfekt an meine Fußform anpasst. Einen Großteil unseres Arbeitstages verbringen wir gehockt oder gebückt. Wir sind ständig in Bewegung. Diese Gummistiefel sind super bequem und machen alles mit. Meine Füße fühlen sich sehr wohl. 

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